AHA-SYS, Michael Reiterer

Berührungsqualität als selbst/heilender Faktor am Beispiel von Shiatsu

Manchmal wollen wir einfach nicht (körperlich) berührt werden.

Wir brauchen dann vielleicht eher einfühlsame Worte oder einen geschützten Raum um uns herum, wo jede Körperlichkeit stören würde. Weil möglicherweise gerade unsere Grenzen außerhalb des physischen Körpers liegen.

In den meisten Lebensphasen aber brauchen wir Berührungen.

Oft mehr als einen Bissen Brot.

Hier schreibe ich über die Berührung als Faktor der Heilung und Förderung der Selbstheilung am Beispiel von Shiatsu.

„Körperliche Berührungen führen dazu, dass ich mich ganz fallen lassen kann.“

Die Klient/innen beschreiben, dass sie sich durch die Berührungen tief entspannen können. In erster Linie entspannt sich der Körper. Danach - so die Umfrage - kommt es zu einem Erleben, das über den Körper hinausgeht. Sie betreten einen Bewusstseinsraum, der ihnen üblicherweise im Alltag nicht zur Verfügung steht.

Wenn die Klient/innen sich in die eigene Tiefe fallen lassen können, zeigt dies das Vertrauen, das im Shiatsu entstehen kann. Sie sind in der Lage, ihre Kontrolle aufzugeben.

„Die Qualität der Berührungen führt dazu, dass ich mich gesehen, respektiert und verstanden fühle.“

Untrennbar damit verbunden ist die Voraussetzung, dass die Chemie zwischen Klient/innen und Shiatsu-Praktiker/innen stimmt. Dadurch entsteht eine Verbindung und ein Austausch kann stattfinden. Es können Informationen zwischen beiden fließen, auf die sie wiederum in ihrer Interaktion reagieren können.

„Über Shiatsu entwickelte ich die Fähigkeit, mich über meinen Körper auszudehnen, bis hin zur Seele.“

Der Vorteil der Berührungen im Shiatsu: die Seele wird geerdet und inspiriert, der Körper und Intellekt beseelt. Der Mensch erlebt sich wieder als ganzheitliches Wesen. Er kann sich in sich wieder zu Hause fühlen. Er wird authentischer, präsenter, sichtbarer für sich selbst und andere.

„Es wurden mir meine eigenen Bedürfnisse wieder klarer.“

Das ist äußerst wichtig. Wenn wir uns vom Schicksal gebeutelt fühlen, mit dem Leben selbst nicht in Kontakt sind, hilft uns die Berührung im Shiatsu zu einem neuen Verständnis unseres Selbst. Bei manchen Klient/innen hilft z.B. das Halten des Kopfes, dass sie die Gedanken loslassen können, leer und frei werden.

Als Folge setzt ein Prozess des inneren Bewusstwerdens ein. Je tiefer die Klient/innen dabei wahrnehmen, was das Hier und Jetzt ihnen bietet, umso umfassender und dauerhafter können sie sich verändern.

„Durch die Erinnerung an bestimmte Punkte, die mir einmal beim Shiatsu gehalten oder gedrückt wurden, kann ich später neuerlich Verspannungen lösen, bestimmte Körperteile lockern usw.“

Die Klient/innen können also die Wirkung vorangegangener Behandlungen selbst neu hervorrufen, sich selbst heilen.

Ich behaupte, dass wir das Wissen um die Akupunkturpunkte alle in uns tragen. Das Wissen und auch das Gewahrsein über Zusammenhänge im Körper ist uns im Lauf unseres Lebens oder der Evolution verloren gegangen. Durch Shiatsu können diese Bewusstheit erneut erlangen und abrufen, wenn wie sie benötigen.

Der Artikel ist inspiriert durch eine Umfrage, die in Deutschland im Frühjahr 2016 unter 75 Shiatsu-Klient/innen durchgeführt wurde.

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