AHA-SYS, Michael Reiterer

Die Wirkung von Shiatsu erklärt - anhand eines Akupunkturpunktes

Shiatsu ist weit mehr als die Behandlung der Akupunkturpunkte.

Hier will ich am Beispiel eines Akupunkturpunktes zeigen, wie Shiatsu auf Körper, Seele und Geist wirken kann.

Shiatsu ist weit mehr als die Behandlung der Akupunkturpunkte.

Shiatsu wirkt durch Berührungen. Wir berühren unterschiedliche Körperpartien, -bereiche, Diagnosezonen. Die Meridiane werden angeregt, lebendig. Wir bewegen und dehnen die Faszien, Muskeln, Gelenke. Die Entspannung, die dabei entsteht, hilft beim Abschalten und lässt Neues fließen, sobald das Alte losgelassen wurde oder auch einen guten Platz gefunden hat. Dazu gehören Muskelverspannungen und Schmerzen ebenso wie Ablagerungen und ungesunde Entwicklungen an Knochen, Gelenken, in Organen und Blutgefäßen.

Wir berühren außerdem auch immer auf seelischer Ebene. Wenn Emotionen belastend wirken, können sie umgewandelt werden. Siehe auch meine anderen Artikel.

Die Wirkung von Shiatsu anhand des Punktes Magen 36

Ich habe diesen Akupunkturpunkt (japanisch: Tsubo) gewählt, da er vor allem wegen seiner guten Wirkung auf das Immunsystem bekannt ist. Die folgenden Informationen finden sich im Akupunkturbuch bzw. meinem Skriptum:

Magen 36 = Ma 36: Deutsch: Drei Wegemaße des Beines; Englisch: Leg three miles; Japanisch: Ashi no sanri; Chinesisch: Zusanti

Lokalisation: 3 cun (d.h. Daumenbreit) unterhalb der äußeren Kniegrube (Ma 35, Du Bi, „Kalbsnase“) und 1 Finger lateral der Schiebeinvorderkante, auf der Höhe des distalen Randes der Tuberositas tibiae

Besonderheiten: Erde-Punkt, He-Punkt (Zusammenfluss-Punkt)
Erfahrungsstelle für den Verdauungstrakt, die Beine und Füße, sowie bei allgemeiner Schwäche bzw. bei Ohnmacht

Funktionen:

  • kräftigt das Qi, kräftigt den Körper
  • tonisiert Blut und Yin
  • harmonisiert den Magen
  • stärkt Milz und Pankreas
  • beruhigt den Geist
  • belebt das Yang
  • reguliert ausgleichend die Qi-Mechanik
  • entstaut die Leitbahn, ihre Netzgefäße und macht sie durchgängig

Klinische Anwendungen:

  • Kräftigung des ganzen Köpers mit krankheitsvorbeugender und immunstärkender Wirkung
  • Störungen des Verdauungssystems
  • Bei allen Störungen, die im Sinne der TCM-Differenzierung einem Leere-Zustand zuzuordnen sind
  • Schmerzen, Bewegungs- und Gefühlsstörungen der unteren Extremität

Was bedeutet das für die Shiatsu Behandlung?

Wir können also durch die präzise Lokalisierung und einfühlsame Aktivierung dieses Punktes samt Verbindung mit dem restlichen Meridian bzw. Körper der Klient/in folgende Wirkungen erwarten:

  • Das Qi der Klient/in wird gestärkt. Damit fühlt sich diese Person lebendiger und kräftiger, sie kann wieder „drei Meilen“ gehen, wie der englische Name andeutet. Vor allem das Yang wird belebt, dadurch ist wieder neue Aktivität möglich.
  • Sollte sich der Punkt bei Kontakt auffällig zeigen, könnte eine allgemeine Schwäche vorliegen, vor allem in der Verdauung sowie in Beinen und Füßen.
  • Als Erde-Punkt wirkt er noch zusätzlich auf das Element Erde, also Magen und Milz-Pankreas.
  • Bei einem Yin-Überschuss wird das Yin beruhigt.
  • Bei einem „Durcheinander“ im Magen wird die Funktion dieses Organs harmonisiert, Milz und Bauchspeicheldrüse werden gestärkt (das ist wichtig bei Symptomen wie Appetitlosigkeit, Magendrücken/Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, Magengeschwüren sowie Übelkeit und Erbrechen, Probleme an den Mundwinkeln, der Mundschleimhaut und der Oberlippe – hier sind allerdings auch andere Punkte von Bedeutung).

Über den Punkt Magen 36 wie auch jeden anderen Magen-Punkt wird gleichzeitig der gesamte Magenmeridian beeinflusst, samt seinen Funktionen und Störungen, vor allem bei Fülle oder Leere entlang dem Meridian. Zu diesem Thema eine kurze Aufzählung. (Ferner werden auch die Kreisläufe von Milz-Pankreas und Dickdarm mitbehandelt. Das werde ich an anderer Stelle auf dieser Website erläutern.)

Der Magenmeridian ist zuständig für:

  • die Aufnahme von Nahrung – sowohl physisch als auch seelisch und geistig
  • Appetit und Hunger
  • die Regulierung des Darms
  • die Steuerung der Funktion der Brustdrüsen und der Milchbildung (Muttermilch = Nahrung!)
  • und er hat eine Beziehung zur Funktion der Eierstöcke und zum Menstruationszyklus

Störungen des Magenmeridians:

  • Appetitlosigkeit, Magendrücken, Sodbrennen, Magengeschwüre
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden
  • Störungen der Milchproduktion nach der Entbindung
  • wunde Mundwinkel, Probleme mit der Speiseröhre

Symptome am Magenmeridian:

  • Probleme mit Augen, Wangen, Nase, Lippen, Zahnfleisch, Zähnen
  • Spannungen in Nacken und Schulter, Rachenerkrankungen
  • Beschwerden im Brustbereich
  • Knieprobleme vor allem seitlich sowie schwere Beine
  • Fußgelenksprobleme

Wie an anderer Stelle – Text leicht adaptiert – geschrieben, kann der Magenmeridian wie folgt charakterisiert werden:

Der Begriff „Magen" im Wort Magenmeridian umfasst den gesamten Verdauungstrakt von den Lippen über die Mundhöhle, die Speiseröhre sowie den Magen und Zwölffingerdarm bis zum oberen Teil des Dünndarms.

Der Magen fördert die Funktionen dieser Körperteile und Organe und ist folglich mit Essen, Bewegung, Erzeugung von Körperwärme sowie (bei Frauen) mit der Fortpflanzung verbunden. Der Magen steuert den Appetit, die Milchbildung und zu einem gewissen Grad die Funktion der Eierstöcke.

Ist der Magenmeridian in seiner Funktion gestört, entwickelt man häufig einen sehr launischen und wählerischen Appetit. Wird zuviel gegessen, so kommt es zu Aufstoßen, Sodbrennen und Völlegefühl. Wunde Mundwinkel sind ein Zeichen von Entzündungen der Magenschleimhaut, und ähnliche Reizungen treten auch entlang des Magenmeridians auf. Die Magengrube wird hart und löst dadurch Schmerzen im Herzbereich aus.

Weitere Zuständigkeiten des Magenmeridians aus Sicht der TCM: die Richtung der Magen-Energie geht bei gesunden Menschen nach unten; der Meridian ist zuständig für die Nahrungsaufnahme und kontrolliert die Extraktion, er garantiert die Milchbildung, garantiert den Geschmackssinn, zeigt sich in der Oberlippe und der Schleimhaut des Mundes

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