AHA-SYS, Michael Reiterer

Das Qi - Schnittstelle zwischen Körper, Seele und Geist?

Kategorien:Shiatsu, QiGong, TaiChiErfahrungsberichte

Einblicke nach zwei Jahren Shiatsu-Ausbildung

Dieser folgende Artikel gibt meine persönlichen Eindrücke wieder. Irrtümer nicht ausgeschlossen.

Dieser Artikel wurde auch in der Zeitschrift "Innen und Außen" des ZGH im August 2015 veröffentlicht. Link zur Website des Zentrums für Geistige Heilweisen - ZGH

Die aktuelle Fassung dieses Artikels mit Ergänzungen ab 2019 finden Sie auf meiner Shiatsu Website reiterer.wien

Es folgt die Version aus dem Jahr 2015

Nach zwei Jahren Shiatsu-Ausbildung freue ich mich immer noch, auf diese Methode gestoßen zu sein. Über diesen Weg tauche ich derzeit auch ganz tief in das Wissen über die TCM ein. Vor dem Beginn meines dritten Jahres möchte ich ein paar Einblicke mit euch teilen.

Während ich anfangs (ab ca. 1995) Shiatsu nur in Krisenzeiten in Anspruch nahm, interessierte mich dann mehr und mehr, welches Geheimnis dahinter steckt. Ich nahm regelmäßig Behandlungen und war erstaunt, wie sich mein Allgemeinbefinden auch dort verbesserte, wo ich keine Verbesserung erwartet hätte.

Ebenfalls auffällig waren die Unterschiede zwischen den Menschen, die es praktizierten. Allen - oder fast allen - gemeinsam ist eine gesunde Ausstrahlung, eine Achtung vor dem Körper, ein In-Sich-Ruhen in der Mitte und im Herzen, eine Offenheit für kleinste Veränderungen, meist gepaart mit Spiritualität und Einfachheit. Natürlich gilt auch hier, wie in der Schulmedizin oder geistigen Heilung, dass man sich nur in die Hände einer Person begeben sollte, der man vertraut. Die Chemie muss stimmen und auch die Art des Shi-atsu (=japan.: Daumen-Drucks) unterscheidet sich teilweise stark.

Das Geheimnis, dem ich immer mehr auf die Spur komme, ist der Fluss des Qi.

Qi (wie in Qi Gong) – es ist auch in der Schreibweise Chi (wie in Tai Chi) oder Ki (wie in Aikido oder Reiki) bekannt – steht in der Traditionellen Chinesischen Medizin für eine Lebenskraft, die vergleichbar ist mit jener Energie, die bei uns Äther, in Indien Prana genannt wird, bei Wilhelm Reich heißt sie Orgon, Karl von Reichenbach nannte sie Od.

Kurzum: Das Qi ist die alles durchdringende, universell-kosmische Kraft.

Diese Energie zeigt sich in verschiedenen Formen: u.a. dem Ying Qi (=Nähr-Qi), Tai Qi (hier in der Bedeutung: das himmlische Qi), Wei Qi (=Abwehr-Qi) usw., es gibt das innere Qi des einzelnen Menschen und das äußere Qi des Universums. Es gibt das angeborene Qi und jenes, das wir über die Luft/Atmung, Essen und Trinken zu uns nehmen.

Im Shiatsu interessiert uns insbesondere die Lebensenergie, wie sie im Körper fließt und wie sie die geistigen, seelischen und körperlichen Aspekte entstehen lässt und aufrechterhält. Das Qi fließt durch die Meridiane bzw. Leitbahnen des Körpers. Diese Leitbahnen sind Funktionskreisen – bzw. Organsystemen – zugeordnet. Das kann man spüren: Das Qi hat im Lungenmeridian eine andere Energie als beispielsweise das Qi in der Leitbahn der Gallenblase.

Im gesunden Menschen kann das Qi frei und ausreichend durch die Leitbahnen fließen. Vor Shiatsu-Behandlungen wird durch verschiedene Diagnosemethoden festgestellt, ob dieser Fluss frei ist oder gestaut und wo zuviel und wo zuwenig Qi spürbar ist. Abgesehen von der Diagnose durch Befragung bzw. Betrachten, wird vor allem über das Hara, den Puls und/oder die Zunge diagnostiziert.

In der Behandlung selbst ist das Ziel, den freien Fluss wieder herzustellen. Das Qi muss richtig zirkulieren. Dabei interessieren uns nicht nur die Punkte (=Tsubos), die in der Akupunktur genadelt werden, sondern der Meridian insgesamt sowie seine Verlängerungen und Verästelungen (also äußerer und innerer Verlauf). Durch sanftes Dehnen und Strecken und leichten Druck wird oft mehr erzielt als durch das kräftige Kneten, das wir von der klassischen Massage her kennen. Das Ergebnis: Das Qi fließt wieder gleichmäßig durch die Meridiane und Tsubos, die Fülle und Leere werden ausgeglichen. Das merkt nicht nur der Körper, sondern auch die Gefühlswelt, die Emotionen und die Gedankenwelt auf wundersame Weise. Stellt das Qi das Bindeglied zwischen Körper, Seele und Geist dar? Ich werde euch weiter über meine Erfahrungen berichten.

Auch hier spielt die geistige Heilung für mich eine große Rolle. Im Lauf der Monate durfte ich bereits viel üben, u.a. mit lieben Menschen, die ich aus dem ZGH kenne. Hier verknüpfen sich dann Spiritualität und Einfühlungsvermögen auf ganz spezielle Weise mit Shiatsu. Ich konnte mehrfach beobachten, wie diese KlientInnen den Meridianverlauf spürten, sobald ich mit einem Tsubo Kontakt aufgenommen hatte.

Qi und Depressionen

QiGong kann bei Depressionen helfen, sodass depressive Patienten positive Ereignisse nicht vergessen

Ein zentraler Faktor bei Depressionen sind Störungen des Gedächtnisses, d.h. beispielsweise: es erinnern sich depressive Menschen vor allem an Negatives, während nicht-depressive Personen sich vor allem an positive Dinge erinnern. Michalak et al. (2018) haben untersucht, wie sich das Gedächtnis von depressiven Menschen in dieser Hinsicht wieder normalisieren lässt - dabei wurde auf Qi Gong, Bewegungsübungen aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), zurückgegriffen. Dieser Ansatz war das Resultat einer Vielzahl von Forschungsarbeiten aus der Grundlagenforschung, die zeigen, dass Körperhaltung oder Bewegung und psychische Prozesse sich wechselseitig beeinflussen. Es zeigte sich daher, wie erwartet, dass sich Depressive, die nach oben gerichtete QiGong Bewegungen ausgeführt hatten, vermehrt an positive Gedächtnisinhalte ankoppeln konnten und auch besseren Zugriff auf spezifische Erinnerungen aus ihrem Leben hatten. Bestimmte aufrichtende Bewegungen wirken sich demnach günstig auf das depressive Gedächtnis aus.

Verwendete Literatur:
Stangl, W. (2019). Qi Gong gegen das Vergessen bei Depressionen. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: http://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/qi-gong-gegen-das-vergessen-bei-depressionen/ (2019-01-06).

Online seit: 09.08.2015

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